„Ich bereue nichts“, sagt Bobby im Gespräch mit dem SchaumburgR mehrfach. Auch wenn er es bei Amazon Prime so nicht habe sagen dürfen. Denn vor etwa 10 Jahren, am 2. November 2016, endete eine Phase, die dem Rintelner fast alles gekostet hat: Drogen, Waffen, Sprengstoff: Dann ein SEK-Einsatz in der Nordstadt und abgeführt in Handschellen. Heute kann man dem selben Mann auf Amazon Prime zusehen, wie er seine Geschichte als Motivationsbeispiel erzählt. „Für Amazon hatte ich anfangs nicht genug Reue vermittelt, ich musste dann mehrfach wiederholen, wie sehr es mir leidtut“, erzählt Bobby, „Stimmt aber so nicht, ich bereue nichts.“
Denn sein Weg habe ihn zu dem geführt, was er heute ist. Er hat sich aus dem Tiefpunkt seines Lebens heraus eine erfolgreiche Existenz mitten in der Influencer-Economy aufgebaut. Heute ist er Cutter und Kameramann, und arbeitete mit Szenegrößen wie JamooTV (6,4 Millionen Abonnenten), Kodi (1,1 Millionen) oder Samantra (1,1 Millionen) zusammen. Festangestellt ist er als Cutter für NahimSky. Letzterer hat 1,7 Millionen Abonnenten auf youtube, und produzierte bereits für amazon prime und beschäftigt in Hannover zahlreiche Mitarbeiter. Darunter den Rintelner Bobby, der bürgerlich Robin Heinze heißt und 30 Jahre alt ist.
Bobby im Podcast MACHR-Talk: Die ganze Story

Doch der Job hinter der Kamera ist Bobby nicht genug. Parallel baut er sich seine eigene Marke als Creator auf und hat ein klares Ziel: Er möchte der erste Cutter werden, der selbst eine bekannte Marke ist. „Wer an einen Cutter denkt, soll an Bobby denken“, macht er klar. So wie man bei einem Rechtsanwalt vielleicht an den Creator „HerrAnwalt“ denke, solle auch sein Name in einigen Jahren für eine ganze Branche stehen. Kurzgesagt: „Ich will der bekannteste Cutter Deutschlands werden“. Womit er sich direkt etwas einschränkt, denn Amerika würde schwierig. Wegen seiner Vorstrafen. Bei Drogen, Waffen und Sprengstoff versteht man bei der Einreise in die USA keinen Spaß.



Die kriminelle Vergangenheit, die Bobby bis heute manchmal verfolgt, begann in Rintelner Nordstadt. Er war gerade aus seinem kalletaler Elternhaus in die Rintelner Nordstadt gezogen, um eine Ausbildung zu machen. In Hameln geriet er in einen neuen Freundeskreis und machte erste Drogenerfahrungen. „Ich bin relativ stark suchtanfällig“, erklärt Bobby rundheraus, der während des gesamten Gesprächs regelmäßig an seiner Vape zieht. Mit 19 nahm er das erste Mal Ecstasy und Koks, begann seine Vorräte im Freundeskreis weiterzugeben und schnell stand das Angebot: Steig doch größer ein.
Was Bobby damals nicht wusste: Die gesamte Gruppe stand bereits unter Beobachtung der Polizei. So wurde der junge Rintelner vom ersten Tag seiner Drogendealer-Karriere an schon von der Polizei beobachtet. Dass neun Monate später ein SEK-Kommando an seinem Bett stand, war da schon abzusehen. Mit Drogen, Sprengstoff und zahlreichen illegalen Waffen im Besitz hatte er großes Glück, gerade noch nach Jugendstrafrecht verurteilt zu werden. „Verhaftet wurde ich 7 Tage vor meinem 21. Geburtstag – dann wäre es mit Jugendstrafe vorbei gewesen“, erklärt er. So wurde seine 12-monatige Strafe zur Bewährung ausgesetzt – ein Haftaufenthalt blieb ihm erspart.



Einige der vielen Tattoos, die Bobby heute trägt, erinnern noch immer an seine kriminelle Vergangenheit. Andere, die an seine damals rassistische Einstellung erinnern, hat er dagegen übermalen lassen. Denn mit dem Gedankengut hat er endgültig gebrochen, sein heutiger Freund und Arbeitgeber – NahimSky – ist halbschwarz und Bobby hat sich von rechtsextremen Ansichten distanziert. „Ich bereue Garnichts im Leben, ich würde auch nichts ändern“, stellt Bobby dennoch klar. Denn wer weiß, wo er dann heute stehen würde.
Nach dem Weckruf begann Bobby bei Wesergold zu arbeiten und hatte kurz darauf ein Erweckungserlebnis. „Mein erstes Video habe ich für einen Kollegen gefilmt, der wollte den deutschen Rekord beim Kreuzheben aufstellen“, berichtet Bobby. Er war sofort begeistert, kaufte sich ein professionelles Kameraequipment von seinem Ersparten. Sein erstes Video aus eigener Motivation machte er vom Rintelner Gastronom und Bodybuilder Kadir Boga. In dessen Lokal, dem Mosquito, traf er dann einen weiteren Bodybuilder, der ihm zum Durchbruch verhalf. Erdem Dül hatte damals gerade einen Bodybuilding-Laden in der Mühlenstraße eröffnet, war ansonsten noch nicht groß bekannt. Heute hat er eine halbe Million Follower auf Instagram und gehört zu den Größen der Szene. 2019 drehte Bobby erste Videos mit ihm, „das hat mir wahnsinnig viele Türen geöffnet.“ Erdem Dül sagt heute, dass Bobby ihn damals mitaufgebaut habe und er ihm deswegen viel verdanke. Der Maschinenführer bei Wesergold meldete ein Kleingewerbe an und hatte plötzlich Spaß daran, aufzustehen und lange zu Arbeiten. „Das kannte ich vorher nicht – ich hatte nie Bock zu arbeiten, das frühe Aufstehen war nicht meins“.
Mit kostenlosen Videos von Influencern zu mehr Bekanntheit
Um sich einen Namen zu machen, begann Bobby Leute anzusprechen, ob sie ein kostenloses Video von ihm haben wollten. „Ich kannte einen TikToker, der das mit Fotos gemacht hat. Fotos kann ich nicht, aber ich dachte mir mit Videos kommt das auch gut“. Die ersten drei waren Freunde von ihm, danach begann er Influencer anzuschreiben. Ryan Hayashi war der erste, der zusagte. Sie trafen sich beim Format „Erkenne den“ von NahimSky, der Bobby kurz darauf einen Job anbot. Nachdem Bobby schon geraume Zeit bei dem Format hinter der Kamera mitarbeitete und seinem Chef Nahim nie von seiner kriminellen Vergangenheit erzählt hatte, stand er schließlich bei „Erkennen den Kriminellen“ selbst vor der Kamera und präsentierte seine Geschichte. Später drehte Nahim eine Episode seiner Amazon-Serie über Bobbys Vergangenheit in Rinteln.
Mit diesem Rückenwind sowie seiner eigenen Arbeit mit großen Influencern, die er weiter für kostenlose Videos anspricht, möchte Bobby jetzt den Durchbruch schaffen und nicht nur hinter der Kamera arbeiten. Und wer selbst einen Fuß in die Türe bei der Creator-Economy bekommen möchte, für die hat Bobby drei Tipps. „Man muss wirklich arbeiten wollen, man sollte extrovertiert sein und man muss Referenzen sammeln.“ Er habe am Anfang lange nur kostenlos gearbeitet und viel Zeit und auch Geld investiert, um sich selbst aufzubauen.